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Prae_Studio â shutterstock.com
Forscher des Sicherheitsunternehmens Varonis haben eine raffinierte Phishing-Methode entdeckt, die auf Gmail-Nutzer zielt. Dabei kommt eine Malware zum Einsatz, die sich nicht nur als PDF-Anhang tarnt, sondern die Opfer automatisch dazu auffordert, diesen zu öffnen.
âDer Dateityp .PDF ist im privaten und geschĂ€ftlichen Bereich allgegenwĂ€rtig gewordenâ, erklĂ€rt Erik Avakian, technischer Berater bei der Info-Tech Research Group. âDas schafft Vertrauen. Die Leute sehen eine PDF-Datei und gehen davon aus, dass sie sicher ist. Sie löst auch nicht die gleichen Alarmglocken aus wie andere Dateitypen, beispielsweise .exe oder .zip.â
So funktioniert der Angriff
Die Angreifer haben ein Toolkit namens MatrixPDF entwickelt, das Phishing- und Malware-Funktionen in einem Builder bĂŒndelt. Es bettet gefĂ€lschte Eingabeaufforderungen, JavaScript-Aktionen und automatische Weiterleitungen in scheinbar legitime PDF-Dateien ein.
Kriminelle Akteure können dabei den externen Link festlegen, zu dem die PDF-Datei weiterleitet. Zudem ermöglicht es MatrixPDF, Dokumente so zu Ă€ndern, dass sie ĂŒberzeugend wirken. Zum Beispiel durch EinfĂŒgen eines VorhĂ€ngeschloss-Symbols oder eines Firmenlogos. Das Toolkit kann aber auch dazu verwendet werden, um den Inhalt des Dokuments zu verbergen.
Die Forscher von Varonis haben zwei Möglichkeiten identifiziert, wie Angreifer MatrixPDF einsetzen: Im ersten Fall nutzen sie die Vorschaufunktion von Gmail aus. Die von ihnen erstellte PDF-Datei kann Sicherheitsvorkehrungen und Filter umgehen, da sie nur Skripte und einen externen Link enthÀlt, aber keinen Standard-URL-Hyperlink, der normalerweise mit Malware in Verbindung gebracht wird.
Die PDF-Datei wird normal gerendert, aber der Text des Dokuments ist unscharf, und die Benutzer erhalten eine Aufforderung zum âĂffnen des sicheren Dokumentsâ, die im Wesentlichen ein Phishing-Köder ist. Wenn das Opfer auf die SchaltflĂ€che klickt, öffnet sich eine externe Website in seinem Browser. Die Forscher fanden sogar ein Beispiel, bei dem der eingebettete Link zu einem Download fĂŒr einen legitimen SSH-Client auf einer öffentlichen Website fĂŒhrte.
Angreifer umgehen Gmail-Sicherheitsfunktion
âDie Methode umgeht die Sicherheitsvorkehrungen von Gmail, da die Malware-PrĂŒfung nichts âVerdĂ€chtigesâ findetâ, erklĂ€ren die Forscher. Der schĂ€dliche Inhalt wird nur abgerufen, wenn der Benutzer aktiv darauf klickt, was Gmail als von diesem  initiiert und daher als ungefĂ€hrlich interpretiert. AuĂerdem erfolgt der Datei-Download auĂerhalb der Antiviren-Sandbox der E-Mail-Plattform, sodass Sicherheitsfilter nicht eingreifen können.
Die zweite MatrixPDF-Methode verwendet in PDF eingebettetes JavaScript. Das Opfer lĂ€dt die PDF-Datei herunter oder öffnet sie in einem Desktop-Reader (wie Adobe Acrobat) oder einem Browser-nativen Viewer und fĂŒhrt das Skript aus. Die PDF-Datei verbindet sich dann automatisch mit der Payload-URL und ruft eine Datei ab.
âIn der Regel zeigen PDF-Reader eine Sicherheitswarnung an, die den Benutzer darauf hinweist, dass ein Dokument versucht, auf eine externe Ressource zuzugreifenâ, so die Security-Spezialisten. Bei dieser Methode wird das PDF jedoch so konfiguriert, dass es eine kurze URL aufruft, die âvage legitimâ erscheint.
Das Opfer erhĂ€lt daraufhin ein Popup mit einer Zugriffsanfrage. Klickt der Nutzer auf âZulassenâ, ruft das Skript den schĂ€dliche Workload ab und ÂŽstartet den Download; das Dokument wird dann auf dem GerĂ€t des Benutzers gespeichert und die Malware ausgefĂŒhrt.
âDiese Methode ist erfolgreich, da der Benutzer keinen Link anklicken muss. Sie setzt jedoch darauf, dass der Benutzer die Berechtigung zum Zugriff erteiltâ, heiĂt es im Forschungsbericht.
âAls Waffe eingesetzte PDF-Dateien in Phishing-E-Mails sind seit langem ein Problemâ, mahnt David Shipley von Beauceron Security. âDieses Tool macht es Cyberkriminellen kinderleicht, solche Dateien zu erstellen.â
Nutzung privater E-Mails erhöht das Risiko fĂŒr Unternehmen
Mitarbeiter greifen zunehmend von Firmen-PCs aus auf private E-Mail-Konten zu, insbesondere in hybriden und Remote-Arbeitsumgebungen. Angesichts der Tatsache, dass Hacker Zugang zu einfach zu bedienenden Tools wie MatrixPDF haben, raten Experten Unternehmen jedoch zu erhöhter Wachsamkeit.
âCISOs und CIOs sollten Möglichkeiten in Betracht ziehen, entweder den Zugriff auf private Webmail-Konten ĂŒber die Unternehmensinfrastruktur zu beschrĂ€nken oder festzustellen, wo dies tatsĂ€chlich erforderlich istâ, rĂ€t Avakian von InfoTech. âPrivate E-Mails verfĂŒgen einfach nicht ĂŒber die gleichen Sicherheitsvorkehrungen wie E-Mail-Sicherheitsdienste von Unternehmen.â
Ensar Seker, CISO beim Threat-Intelligence-Unternehmen SOCRadar, bezeichnet diesen neuen E-Mail-Angriffsvektor als eine âgefĂ€hrliche Weiterentwicklung des Social Engineeringâ. Er fĂŒgt hinzu: âDadurch wird der Endpunkt zum schwĂ€chsten Glied in der Kill Chain. Sobald ein einzelnes GerĂ€t kompromittiert ist, kann es zum Dreh- und Angelpunkt fĂŒr laterale Bewegungen, den Diebstahl von Anmeldedaten oder den ersten Zugriff fĂŒr die Bereitstellung von Ransomware werden.â
Wie sich Unternehmen wappnen können
Die gute Nachricht ist jedoch laut Shipley von Beauceron, dass Phishing-Angriffe mit AnhÀngen tendenziell eine geringere Erfolgsquote haben. Das liegt daran, dass sie zusÀtzliche kognitive Anstrengungen und Schritte seitens des Benutzers erfordern, im Gegensatz zum einfachen Klicken auf einen Link in einer E-Mail.
âUnternehmen sollten ein Gleichgewicht zwischen Investitionen in E-Mail-Filter und hĂ€ufigen und effektiven Awareness-Schulungen findenâ, merkte er an. âLetztendlich mĂŒssen die Mitarbeiter motiviert werden, wachsam zu bleiben.â
Seker von SOCRadar ergĂ€nzt: âCISOs mĂŒssen ĂŒber technische AbwehrmaĂnahmen hinausgehen und klare Leitplanken festlegen.Das bedeutet, bekannte schĂ€dliche Dateitypen zu blockieren, robuste Sandboxing-Lösungen fĂŒr AnhĂ€nge einzusetzen und Endpunkt-Erkennung zu nutzen, um verdĂ€chtiges Dateiverhalten nach der Zustellung zu ĂŒberwachen.â
Zudem empfiehlt er Unternehmen, Richtlinien durchsetzen, die es Mitarbeitern verbieten, auf UnternehmensgerĂ€ten auf private E-Mails zuzugreifen. âDie AufklĂ€rung der Mitarbeiter ĂŒber die Funktionsweise dieser Angriffe ist besonders wichtig in einer Zeit, in der selbst eine harmlos aussehende PDF-Datei die Spitze einer Spear-Phishing-Kampagne sein kannâ.
Seker fĂŒgte hinzu: âLetztendlich muss eine mehrschichtige Verteidigung nicht nur Zero Trust fĂŒr Benutzer, sondern auch Zero Assumption fĂŒr die Dateisicherheit umfassen.â
Avakian von Info-Tech stimmt zu. Angriffe vom Typ MatrixPDF böten eine âfantastische Gelegenheitâ, um SensibilisierungsmaĂnahmen und Schulungen mit einfachen Visualisierungen und realistischen âWas-wĂ€re-wennâ-Szenarien zu integrieren. Unternehmen sollten auch eine âThink Before You Clickâ-Kultur fördern und es ihren Mitarbeitern, der ersten Verteidigungslinie, leicht machen, verdĂ€chtige E-Mails zu melden.
Ebenso wichtig sei es, dass Unternehmen darauf achten, âMitarbeiter zu belohnen, die dies richtig machenâ.
âAnerkennung hat eine groĂe Wirkungâ, so Avakian. âIndem sie Mitarbeiter belohnen, die Phishing-Versuche erkennen und melden, können Sicherheitsverantwortliche das Bewusstsein schrittweise verbessern und eine sicherheitsbewusste Kultur fördern.â (jm)

