Mit einer ISO 27001-Zertifizierung weisen Unternehmen nach, dass sie ein wirksames Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS) betreiben. Lesen Sie, weshalb der Zertifizierungsprozess hÀufig schief geht.
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ISO-Zertifizierungen, aber auch die EinfĂŒhrung eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS) nach IT-Grundschutz, werden von vielen Unternehmen als Beweis fĂŒr ihre QualitĂ€t und ihren professionellen Ansatz bei der DurchfĂŒhrung ihrer GeschĂ€ftstĂ€tigkeit angesehen. Obwohl das ein wichtiger Grundstein fĂŒr jedes Unternehmen ist, lĂ€uft in einigen FĂ€llen nicht immer alles wie geplant. Im Folgenden werden die hĂ€ufigsten Fallstricke bei der ISO-/ISMS-EinfĂŒhrung und deren Zertifizierung sowie LösungsansĂ€tze aufgefĂŒhrt.
1. Fehlende Verbindlichkeit der GeschÀftsleitung
Allen voran geht die GeschĂ€ftsleitung. Egal, ob als Einzelperson oder zu mehreren. Einer der maĂgeblichen Faktoren, der dazu fĂŒhrt, dass ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen in Unternehmen nicht funktionieren, ist das fehlende Commitment der GeschĂ€ftsfĂŒhrer. Diese muss die Bedeutung der ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen verstehen und sich aktiv fĂŒr ihre Umsetzung und Aufrechterhaltung einsetzen. Ohne das Engagement der GeschĂ€ftsleitung ist es oft schwierig, alle Mitarbeiter fĂŒr den Prozess zu gewinnen und sicherzustellen, dass die ISO-Standards oder auch die Standards nach IT-Grundschutz in den tĂ€glichen GeschĂ€ftsablauf integriert werden.
Deshalb sollten Unternehmen auf jeden Fall klarstellen, wie wichtig das Thema ist â auch, wenn die Umsetzung mit hohem Aufwand und Unannehmlichkeiten verbunden sein kann. âAufrĂ€umenâ ist nicht immer schön. Das Ergebnis dafĂŒr aber umso lohnender. Wenn die GeschĂ€ftsleitung die ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen unterstĂŒtzt und fördert, kann dies zu einem erfolgreichen Abschluss und einem besseren Unternehmensimage fĂŒhren.
2. Dran vorbei statt mittendrin
Einer der hĂ€ufigsten GrĂŒnde, warum ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen in Unternehmen nicht funktionieren, ist, dass sie nicht tatsĂ€chlich in den tĂ€glichen GeschĂ€ftsablauf integriert werden. Viele betrachten die ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen als eine einmalige AktivitĂ€t, die einmal durchgefĂŒhrt wurde, um das Zertifikat zu erhalten. Dabei achten sie jedoch nicht darauf, die geschaffenen AblĂ€ufe in ihre tĂ€glichen GeschĂ€ftspraktiken zu integrieren. Ohne eine tatsĂ€chliche Einbindung in den tĂ€glichen GeschĂ€ftsablauf wird das Zertifikat nutzlos und die Vorteile, die es bietet, werden nicht realisiert. Im schlimmsten Fall zahlen Organisationen sogar drauf, lassen dabei jedoch in jedem Fall wertvolles Entwicklungspotential liegen.
Bei der Integration gilt es zu beachten, dass man sich nicht zu sehr in Details verliert. Die (arbeits-)lebensnahe Umsetzung des Managementsystems ist maĂgeblich fĂŒr dessen Erfolg. Anstatt komplizierte Prosa zu schreiben, tut es vielleicht auch eine Grafik. Frei nach dem Motto âEin Bild sagt mehr als tausend Worte!â. Sind AblĂ€ufe leicht und intuitiv zu erfassen und klar umzusetzen, werden sie auch gelebt. Hier kann es auch hilfreich sein, Prozesse zu automatisieren. Auch der Blick von auĂen durch einen erfahrenen Berater kann von Vorteil sein.
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3. Mitarbeiter nicht umfassend beteiligen
Ein weiteres Problem, das bei ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen hĂ€ufig vorkommt, ist die fehlende Beteiligung aller Mitarbeiter. Wenn nur ein kleiner Teil des Unternehmens fĂŒr die Umsetzung der ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen verantwortlich ist, kann es zu einer Desynchronisation zwischen den Abteilungen kommen, die nicht Teil des Prozesses sind. Dies fĂŒhrt dazu, dass bestimmte Abteilungen nicht an den vorgesehenen Verfahren teilnehmen und dass die ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen letztendlich nicht funktioniert.
Die Lösung hierzu? Erfahren Sie im nÀchsten Punkt.
4. Mitarbeiteridentifikation nicht fördern
Ein weiterer Faktor, der die FunktionalitĂ€t von ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen in Unternehmen erschwert, ist die fehlende Identifikation der Mitarbeitenden mit der EinfĂŒhrung und dem daraus resultierenden Managementsystem. Die Mitarbeiter mĂŒssen verstehen, warum die EinfĂŒhrung wichtig ist, wie sie in ihre tĂ€glichen ArbeitsablĂ€ufe integriert werden soll und wie das ihnen die Arbeit erleichtert. Ist das nicht der Fall, wird es schwierig , die EinfĂŒhrung umzusetzen und eine daraus etwaig resultierende Zertifizierung aufrechtzuerhalten.
Eine Lösung dafĂŒr bilden zum Beispiel Schulungen und Weiterbildungsprogramme. Diese tragen dazu bei, dass die Mitarbeitenden frĂŒhzeitig in den Zertifizierungsprozess einbezogen werden. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Mitarbeitenden die Bedeutung der Zertifizierung verstehen und wie diese in ihre tĂ€glichen ArbeitsablĂ€ufe integriert werden kann.
Die Schulung und Einbindung der Mitarbeitenden stellt zudem sicher, dass das Managementsystem effektiv umgesetzt wird. Die Angestellten tragen dadurch aktiv zu dessen Verbesserung bei.
5. VernachlÀssigen von Kompetenzbildung
Schulungen fĂŒr Mitarbeitende im Kontext der ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen sind in vielerlei Hinsicht wichtig. Fehlende Kompetenz bei den Verantwortlichen trĂ€gt oftmals dazu bei, dass Zertifizierungsvorhaben spĂ€testens im Audit scheitern. Schulungen und das Bilden von Bewusstsein aller Mitarbeitenden fĂŒr die Bedeutung der ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen und ihre Rolle bei der Umsetzung sind deshalb essentiell.
Ein gut ausgebildetes Team findet gute und effiziente Lösungen fĂŒr den Aufbau und die Umsetzung eines Managementsystems. So kann BĂŒrokratisierung vermieden werden. Damit ist Kompetenzbildung von Anfang an ein entscheidender Faktor fĂŒr den Erfolg einer ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen.
6. Umsetzen ohne Plan
Ein weiteres Hindernis bei der Implementierung von ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen, ist das Fehlen eines klaren Plans zum Vorgehen. Viele Organisationen beginnen den Prozess ohne, dass sie eine genaue Vorstellung davon haben, was fĂŒr eine ergolgreiche EinfĂŒhrung oder eine Zertifizierung benötigt wird. Dadurch verschwenden sie Zeit und Ressourcen. Ohne einen genauen Plan konzentrieren sich Firmen auf Bereiche, die nicht relevant sind oder die Anforderungen der ISO-/IT-Grundschutz Standards nicht erfĂŒllen. Dauert die Umsetzung fĂŒr den Aufbau eines Managementsystems zu lange, kann es auĂerdem dazu kommen, dass die regulĂ€re Unternehmensentwicklung den Prozess selbst ĂŒberflĂŒgelt und Arbeit mehrfach anfĂ€llt, um Ănderungen zu folgen.
Eine mögliche Lösung besteht darin, einen klaren Plan zu erstellen, der die Schritte zur Implementierung der Standards festlegt. Dieser Plan sollte die spezifischen Anforderungen der gewĂ€hlten Standards, die benötigte Zeit und die Ressourcen fĂŒr die EinfĂŒhrung/Zertifizierung, sowie die Verantwortlichkeiten und Aufgaben der beteiligten Mitarbeiter und Abteilungen berĂŒcksichtigen. Durch eine klare Definition einer Deadline fĂŒr den primĂ€ren Aufbau des Managementsystems können Unternehmen sicherstellen, dass sie sich auf die wichtigsten Bereiche konzentrieren. Somit sind sie in der Lage, Zeit und Ressourcen effektiver zu nutzen. Eine vorgelagerte Soll-Ist-Stand- oder GAP-Analyse ist dabei ein erprobtes Mittel, um Klarheit zu schaffen und die Basis fĂŒr eine konkrete Planung zu erhalten.
7. Das passt schon so oder wÀhrt ehrlich doch lÀnger?
Wenn Unternehmen sich selbst belĂŒgen, funktioniert die ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen ebenfalls nicht. Oftmals werden Schwachstellen- und Risikoanalysen nicht objektiv betrachtet oder eigentlich relevante Themen schlicht nicht erfasst. So nach dem Motto: âWas der Auditor nicht weiĂ, macht ihn nicht heiĂ.â
Dies fĂŒhrt dazu, dass Unternehmen ihre Risiken nur unzulĂ€nglich behandeln oder erst gar nicht wahrnehmen und somit die Wirksamkeit des Managementsystems beeintrĂ€chtigen. Der Aufschrei, wenn ein Risiko nach einer zuvor positiven Bewertung eintritt und immense Kosten zu dessen Behebung anfallen, ist im Nachhinein oft groĂ.
Eine unehrliche Betrachtung sorgt dafĂŒr, dass die Implementierung der gewĂ€hlten Standards oberflĂ€chlich und unvollstĂ€ndig erfolgt, was die EinfĂŒhrung und gegebenenfalls auch die Zertifizierung letztendlich sinnlos macht.
Eine Lösung hierfĂŒr besteht darin, dass Unternehmen schonungslos ehrlich zu sich selbst sind und sich gegebenenfalls auch Hilfe zur Selbsthilfe holen. Ein unvoreingenommener und erfahrener Berater kann helfen, Risiken richtig einzuschĂ€tzen. AuĂerdem ist er in der Lage, potentielle Szenarien aufzeigen, die aufgrund von Betriebsblindheit sonst nicht gesehen werden. So kann das Unternehmen eine ehrliche Risikoanalyse durchfĂŒhren und Schwachstellen im Unternehmen identifizieren, um eine effektive Implementierung der gewĂ€hlten Standards zu gewĂ€hrleisten.
8. Die EinfĂŒhrung/Zertifizierung als abgeschlossenen Prozess betrachten
Ein weiteres hĂ€ufiges Problem bei ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen ist das Fehlen eines kontinuierlichen Ăberwachungs- und Verbesserungsprozesses. Viele Unternehmen sehen die ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen als einen abgeschlossenen Prozess. Werden jedoch keine kontinuierlichen BemĂŒhungen unternommen, um die Umsetzung der gewĂ€hlten Standards aufrechtzuerhalten und zu verbessern, droht das Unternehmen schnell hinter den neuesten Trends und Anforderungen zurĂŒckzufallen. Im schlimmsten Fall kann es sogar passieren, dass das Unternehmen seine Zertifizierung verliert. Im AnschluĂ ist es entsprechend schwer, diese erneut zu erlangen.
Um diese Probleme zu vermeiden, mĂŒssen Unternehmen die ISO-/ISMS-EinfĂŒhrungen als einen kontinuierlichen Prozess ansehen, der stĂ€ndig ĂŒberwacht und verbessert wird. Alle Mitarbeiter sollten in den Prozess einbezogen werden, um eine reibungslose Umsetzung und eine tatsĂ€chliche Integration in den tĂ€glichen GeschĂ€ftsablauf zu gewĂ€hrleisten. Zudem ist es wichtig, dass regelmĂ€Ăig ĂberprĂŒfungen und Audits durchgefĂŒhrt werden. Dadurch sorgen Organisationen dafĂŒr, dass sie immer den neuesten Standards entsprechen.
9. Einsatz von Billiglösungen
Eine ISO-/ISMS-EinfĂŒhrung und Zertifizierung ist nichts fĂŒr Unternehmen, die auf Billiglösungen aus sind. Viele Unternehmen versuchen, Kosten zu sparen, indem sie sich fĂŒr gĂŒnstigere Lösungen entscheiden oder versuchen, die Standards auf eigene Faust und ohne angemessene Ressourcen zu implementieren.
Dies fĂŒhrt regelmĂ€Ăig dazu, dass Unternehmen wichtige Bereiche ĂŒbersehen oder mangelhafte Lösungen implementieren, die die Standards nicht vollstĂ€ndig erfĂŒllen oder nur Mehrarbeit schaffen, ohne die eigentlich möglichen Vorteile eines Managementsystems zu erschlieĂen. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Implementierung von ISO/IT-Grundschutz-Standards ein wichtiger und langfristiger Prozess ist. Dieser erfordert eine angemessene Investition, um sicherzustellen, dass alle Anforderungen erfĂŒllt werden und das Managementsystem effizient umgesetzt wird. Was bringt es, am Anfang zu sparen und dann auf Dauer mehr Kosten zu haben, um die Fehler in der Basis auszugleichen?
Lösen lĂ€sst sich dieses Dilemma durch eine klare und ausfĂŒhrliche Bestandsaufnahme in Kombination mit einem Soll-Abgleich. Auf Basis eines klaren Bildes, was zu tun ist, lĂ€sst sich ein angemessenes Budget fĂŒr die Implementierung der gewĂ€hlten Standards bereitstellen und auf qualitativ hochwertige Lösungen setzen, die den Anforderungen entsprechen.
So kommen auch langfristige Vorteile von Managementsystemen zum Tragen, wie eine verbesserte Effizienz, QualitĂ€t und Kundenzufriedenheit, was letztendlich zu höheren UmsĂ€tzen und Gewinnen fĂŒhren kann. Ein angemessener Mehraufwand schon bei Implementierung des Systems rechnet sich also langfristig gesehen. (jm)
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